Brutanlage

DIE MEERFORELLE

Ein ganz besonderes Anliegen ist dem Verein die eigene Meerforellenaufzucht zur Unterstützung der natürlichen Population der Meer- und Bachforellen, denn es gibt in den begradigten Flüssen nur noch wenige natürlich intakte Kiesbänke, und die Fische finden darum kaum noch geeignete Laichplätze. Damit die Meerforelle als Art überlebt, müssen wir nachhelfen. Wir setzen uns aktiv für die Erhaltung bedrohter Fischarten ein. Die Aufzuchtanlage liegt in einem Waldstück nahe der Seeve. Diese wird aus einer Naturquelle, mit einer ganzjährigen Wassertemperatur von 5° bis 7° C gespeist.

Ab November beginnen wir mit dem E-Fischen. Hierbei werden laichreife Milchner und Rogner der Seeve entnommen. Sehen Sie uns einfach mal bei der Arbeit zu:

Zunächst beginnen die Vorbereitungen für das E-Fischen. Dazu gehört das Befüllen des Basins mit Wasser, das E-Gerät wird überprüft und dann geht es los…

Vier Personen sind für die Durchführung der E-Befischung im Wasser nötig. Der erste Mann, welcher auch eine Prüfung für das E-Fischen abgelegt hat, führt den Elektrokescher durch das Wasser. Die Fische werden bei dieser Methode nicht verletzt, sondern nur für ein paar Sekunden betäubt. Der nachfolgende Mann versucht nun, die an die Oberfläche kommenden Fische zu keschern. Der dritte im Bunde trägt die Batterie zur Erzeugung des Stroms und der letzte Mann keschert die Fische, die beim ersten Versuch nicht ins Netz gelangt sind.

Die gekescherten Fische werden von weiteren Helfern dann sofort in den mit Saustoff versorgten Basin umgesetzt.

Nun haben wir genug laichreife Milchner und Rogner.

Ein Milchner mit einem wunderschön ausgeprägtem Laichhaken und die Meerforellendame

Vorsichtig wird nun der Rogen – mit leichten Bewegungen am Unterbauch abgestriffen.
Wichtig ist hierbei, dass der Rogen in ein trockenes Gefäß gegeben wird. Pro Kilogramm Lebendgewicht trägt eine Meerforelle etwa 2000 Eier in sich.

Anschließend ist der Milchner an der Reihe. Auch hier wird mit einer vorsichtigen Bauchmassage
die Milch (Sperma) gewonnen. Anschließend werden Milch und Rogen mit einer Feder vorsichtig
vermischt. Erst durch die Zugabe von frischem Wasser können die Eier befruchtet werden, denn erst jetzt dringt der Samen in das Ei. Überschüssiges Wasser wird abgegossen und die befruchteten Eier werden auf die Brutanlage gelegt.

(Sorry für das unscharfe Bild, aber der Fotograf war wohl ein bisschen aufgeregt)

Nach etwa 4-6 Wochen, abhängig von der Temperatur, erreichen die befruchteten Eier das Augenpunktstadium. Bis dahin sollten die Eier mit sowenig Licht wie möglich in Kontakt kommen und man sollte sie auch nicht bewegen. Die nicht befruchteten Eier werden mit einer Pinzette vorsichtig entfernt, um Verpilzungen an den übrigen Eiern zu vermeiden. Nach ca. 3 Monaten fangen die Meerforellen an zu schlüpfen. Während dieser Zeit, müssen jeden Tag die Wiegen der Brutanlage auf abgestorbene, nicht befruchtete und verpilzte Eier untersucht werden. Aus etwa 90 % der Eier werden Jungfische schlüpfen.

Auf diesem Foto kann man die frisch geschlüpften Meerforellen mit ihrem Dottersack, von dem sich sich in den nächsten Wochen ernähren werden, sehr gut erkennen. Wenn die Fische schwimmfähig sind, ist der Zeitpunkt gekommen, um sie in ihre natürliche Umgebung zu setzen.

Bevor die Jungfische jedoch in die Wiesenbäche der Seeve gesetzt werden, müssen diese wieder abgefischt werden. Die somit gefangen größeren Fische werden dann in die Seeve als Besatz zurückgesetzt, damit die Jungfische sich in Ruhe entwicklen können.

Nun ist es endlich soweit – die jungen Meerforellen werden vorsichtig an verschieden Stellen in den Bächen ausgesetzt. Hier finden sie genug Nahrung und wachsen innerhalb der nächsten zwei Jahren zu einer Größe von ca. 9-15 cm heran. Dann werden die Wiesenbäche wieder abgefischt und die Meerforelle wird in die Seeve – ihre “Kinderstube” eingesetzt. Von dort beginnen sie ihre Reise über die Elbe in die Nordsee. Im offenen Meer leben die Forellen noch weitere vier Jahre bevor sie als geschlechtsreife Fische instinktiv zu ihrer “Kinderstube”, die Seeve, zurückkehren. Nur zwei bis drei Prozent der Zucht wird diesen Weg überleben. Nun beginnt der Kreislauf wieder von vorne.